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    Was ist freie Menstruation? Alles über die Free-Bleeding-Bewegung

    Aktualisiert am 19. Dezember 2022 |
    Veröffentlicht am 06. Dezember 2022
    Überprüfte Fakten
    Medizinisch geprüft von Jenna Beckham, M.D., Fachärztin für Geburtshilfe und Gynäkologie, WakeMed, North Carolina, USA
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    Free Bleeding bedeutet, dass eine Person während ihrer Periode keine Binden oder Tampons benutzt. Diese Methode gibt es schon seit vielen Jahrhunderten. Dennoch müssten viele von uns das Free Bleeding erst einmal neu lernen. Zwei Expertinnen erklären dir, wie sicher und hygienisch das ist.

    Die Geschichte der freien Menstruation reicht Jahrhunderte zurück. Möglicherweise gibt es sie sogar seit Anbeginn der Menschheit. 

    Für einige Frauen und menstruierende Menschen ist Free Bleeding bzw. der Verzicht auf Periodenprodukte eine ganz persönliche Entscheidung. Sie protestieren damit gegen Period Shaming und gegenteure Menstruationsprodukte, zu denen Millionen von Menschen weltweit immer noch keinen Zugang haben. Für andere Personen stehen Aspekte wie Nachhaltigkeit und Umweltschutzbei ihrer Monatshygiene mehr im Vordergrund. 

    Die Art und Weise, wie du deine Periode erlebst, ist eine zutiefst persönliche Erfahrung. „Sehr viele Menschen schämen sich für periodenbedingte Blutflecken auf ihrer Kleidung. Die Free-Bleeding-Bewegung versucht, dieses Thema zu enttabuisieren“, erklärt Sara Twogood, Fachärztin für Geburtshilfe und Gynäkologie und Mitglied des medizinischen Ausschusses von Flo. 

    In diesem Artikel erklären dir zwei Frauenärztinnen, was hinter Free Bleeding steckt, und beleuchten dabei sowohl die Geschichte der Bewegung als auch die Frage, ob freies Menstruieren sicher und hygienisch ist.

    Was ist freie Menstruation?

    Bei der freien Menstruation verzichtet eine Person während ihrer Periode auf Periodenprodukte wie Tampons oder Binden, um das Blut aufzufangen. Das mag am Anfang vielleicht etwas befremdlich klingen. Für einige Personen hat Free Bleeding jedoch etwas unglaublich Befreiendes und ist eine ganz besondere Erfahrung – und es lässt sich lernen. Wer kennt es nicht: Die Periode kommt und weit und breit keine Toilette. Es geht aber auch anders: 

    „Manche Menschen entscheiden sich bewusst für Free Bleeding, um die Menstruation als einen ganz normalen Körpervorgang zu etablieren und von ihrem Stigma zu befreien“, erklärt Jenna Beckham, Fachärztin für Geburtshilfe und Gynäkologie, klinische Assistenzprofessorin und Mitglied des medizinischen Ausschusses von Flo. Doch angesichts der Periodenarmut, die überall auf der Welt existiert, praktizieren andere Leute „Free Bleeding nicht aus freien Stücken, sondern weil sie keinen Zugang zu Menstruationsprodukten haben“, fügt sie hinzu.

    Unter Periodenarmut versteht man den fehlenden Zugang zu Periodenprodukten, weil die betroffenen Personen nicht genug Geld dafür haben. Laut Schätzungen der Weltbank haben weltweit mindestens 500 Mio. Frauen und menstruierende Menschen nicht immer Zugang zu den Produkten, der Unterstützung und den sanitären Einrichtungen, die sie während der Periode benötigen. In den USA waren letztes Jahr über 14 % der Frauen zwischen 18 und 24 Jahren von Periodenarmut betroffen. 10 % von ihnen befinden sich jeden Monat in dieser prekären Lage. 

    Free Bleeding ist eine – unkonventionelle – Form des Protests, um auf diese Ungleichheiten aufmerksam zu machen. So nahm z. B. die Läuferin Kiran Gandhi 2015 am Londoner Marathon teil, während ihr Periodenblut ohne Tampon oder Binde in die Hose lief. Sie erklärte, dass sie „die Aufmerksamkeit auf ihre Schwestern lenken wollte, die keinen Zugang zu Tampons haben und die ihre Periode trotz Krämpfen und Schmerzen verstecken und so tun, als gäbe es sie nicht.“

    Beckham weist zudem darauf hin, dass bei einigen frei menstruierenden Personen „die Umweltauswirkungen von Wegwerfprodukten im Vordergrund stehen“ oder weil sie das Tragen von Tampons oder Binden als unangenehm empfinden. Manche Menschen verzichten also lieber auf Binden mit Blut. Falls freies Menstruieren für dich nicht in Frage kommen sollte, du dir aber trotzdem eine nachhaltige Monatshygiene wünschst, gibt es zahlreiche andere Mehrwegprodukte, wie z. B. Periodenunterwäsche (mehr Infos siehe unten).

    Wobei kann Flo dir helfen?

    Freie Menstruation: Die Geschichte der Free-Bleeding-Bewegung

    Historische Aufzeichnungen zum Thema Menstruation und Free Bleeding sind relativ selten. Aber die wenigen existierenden Quellen sind mitunter mehrere Tausend Jahre alt. Der römische Historiker Plinius der Ältere beschrieb die „wundersamen Kräfte“ menstruierender Frauen, von denen er sogar behauptete, dass sie Insekten töten könnten, wenn sie nackt durch Weizenfelder liefen. 

    Es wird angenommen, dass die moderne Free-Bleeding-Bewegung ihren Ursprung in den 1970er Jahren in Amerika hat, als sich der sogenannte Menstruationsaktivismus entwickelte. In dieser Zeit kam es gehäuft zum toxischen Schocksyndrom, einer seltenen, aber potenziell tödlichen Erkrankung, die auftreten kann, wenn ein Tampon zu lang im Körper verbleibt. Allein im Jahr 1980 starben in den USA 38 Frauen an einem menstruationsassoziierten toxischen Schocksyndrom. (wichtig: Tampons sollten maximal 8 Stunden getragen werden).

    Die Feministinnen warfen in dieser Zeit zudem die Frage auf, warum die Periode schambehaftet sein sollte. Wie Twogood erklärt, lehnten sich diese Aktivistinnen mithilfe der freien Menstruation „gegen die Vorstellung auf, dass man sich für Menstruationsblut schämen muss, weil es eklig oder unansehnlich sei oder etwas, das man verstecken sollte“.

    In den letzten Jahren stehen für die Bewegung vor allem Themen wie die Entstigmatisierung der Menstruation, die Preissenkung für Periodenprodukte und die Sichtbarmachung von Trans-Männern und nicht-binären Menschen auf der Agenda.

    Periodenscham gibt es überall auf der Welt – auch heute noch. Eine per Peer-Review begutachtete Studie berichtet, dass Frauen und Mädchen in entlegenen Teilen Nepals sich in Viehställen verstecken müssen und keine anderen Menschen oder Gegenstände berühren dürfen, wenn sie ihre Periode haben. In Indien ist die Menstruation oft ein Tabuthema. 

    Zudem ergab eine US-amerikanische Studie mit über 1.000 Studierenden, dass 76 % der Befragten negative Assoziationen mit der Periode hatten und diese eklig und unhygienisch fanden. 65 % der Studienteilnehmenden stimmten der Aussage zu, dass die Gesellschaft die Vorstellung vermittelt, dass man sich für seine Periode schämen muss. 

    Auch Beckham ist der Meinung, dass die Entstigmatisierung der Regelblutung derzeit zu den Hauptanliegen der Free-Bleeding-Bewegung zählt. Außerdem würden die Rechte von marginalisierten Gruppen thematisiert, wie z. B. transgender und nicht-binäre Menschen, die ebenfalls eine Regelblutung haben. 

    „In den letzten Jahren stehen für die Bewegung vor allem Themen wie die Entstigmatisierung der Menstruation, die Preissenkung für Periodenprodukte und die Sichtbarmachung von ebenfalls menstruierenden Trans-Männern und nicht-binären Menschen auf der Agenda“, fügt Beckham hinzu.

    Freie Menstruation: Ist das unhygienisch?

    Wenn du dir vorstellen kannst, frei zu menstruieren, dann fragst du dich wahrscheinlich auch, wie sicher und hygienisch diese Methode ist. 

    Aus gesundheitlicher Sicht spricht nichts dagegen, allerdings solltest du gewisse Dinge im Hinblick auf deine Mitmenschen beachten. Denn Periodenblut kann durch Blut übertragbare Viren enthalten, wie z. B. HIV, Hepatitis-C- oder -B-Viren, welche tage- oder sogar wochenlang außerhalb des Körpers überleben können. 

    „Grundsätzlich gilt, dass man andere Personen ohne deren Zustimmung weder absichtlich noch unabsichtlich seinen Körperflüssigkeiten aussetzen sollte, [und] dazu gehört auch Periodenblut“, rät Twogood. 

    Am besten schätzt du je nach Situation ein, was sich gut für dich anfühlt. Wann ist für dich der richtige Zeitpunkt für die freie Menstruation? Willst du nur noch frei bluten oder gelegentlich auch Periodenprodukte verwenden? Vielleicht probierst du Free Bleeding zunächst zu Hause aus, damit du ein Gefühl dafür entwickelst, wie viel Blut abfließt und an welchen Tagen dein Zyklus am stärksten ist.